Narkose beim Vogel

Vogelnarkose

1. Indikation

Eine Vollnarkose oder Allgemeinanästhesie wird beim Vogel notwendig, wenn schmerzhafte Eingriffe, wie Operationen oder die Versorgung von Wunden, durchgeführt werden. Ein weiterer Grund für eine Bewusstseinsauschaltung durch eine Narkose ist die Vermeidung von großem Stress bei unangenehmen Manipulationen. Die Ausschaltung von unkontrollierbaren Abwehrbewegungen des Vogels, ist ein weiterer Grund der die Durchführung einer Narkose rechtfertigt. Dadurch werden Verletzungen und Schäden von Vogelpatient und Untersucher vermieden.

2. Art der Narkose

Es wird in der Regel eine Inhalationsnarkose mit einem Narkosegas und Sauerstoff durchgeführt. Der Vorteil dieser Narkoseform ist, dass sie am besten steuerbar ist. Das bedeutet, eine individuelle Anpassung der Narkosetiefe an die aktuelle Narkosesituation ist durch die Anpassung der Narkosegaskonzentration jederzeit möglich.

3. Vor der Narkose

Die Vögel sollten je nach Vogelgröße 1 Stunde bis 12 Stunden vor einer geplanten Anästhesie keine Nahrung oder Flüssigkeit aufnehmen. Vögel, die weniger als 30 Gramm wiegen, dürfen nicht fasten, da sie ansonsten schnell in einen lebensbedrohlichen Glucosemangelstoffwechsel (Hypoglykämie) gelangen. Manchmal ist bei sehr aufgeregten Patienten ein kurzzeitiger stationärer Aufenthalt vor der Narkose angezeigt. Die Gabe von Beruhigungsmitteln kann bei übermäßig aufgeregten Tieren erwogen werden.

4. Durchführung der Narkose

Die Einleitung der Narkose wird über eine Kopfmaske passender Größe durchgeführt. Ist der Vogelpatient eingeschlafen und keine Muskelspannung mehr zu verzeichnen, kann der geplante Eingriff durchgeführt werden. Jetzt besteht auch die Möglichkeit zu intubieren. Dabei wird ein kleiner Schlauch in die Luftröhre gelegt und am Schnabel befestigt. Manipulationen und Eingriffe am Kopf sind am intubierten Vogel sehr gut möglich.

5. Narkoseüberwachung

Während der Vogel in Narkose liegt, bekommt er Flüssigkeit und Wärme zugeführt. Flüssigkeit kann unter die Haut (subkutan) oder direkt in ein Blutgefäß (intravenös) über einen Venenkatheter gegeben werden. Wärmeapplikation erfolgt über eine Wärmematte. Der Vogel wird zur Kontrolle der Herztätigkeit mit einem Stethoskop abgehört. Um die Narkosetiefe zu ermitteln werden die Reflexe des Auges wiederkehrend geprüft. Bei länger andauernden Eingriffen wird zusätzlich die Körpertemperatur gemessen. Optional kann über Zusatzgeräte die Konzentration der Blutgase ermittelt werden.

6. Narkoserisiko

Wie in der Humanmedizin gibt es auch in der Vogelmedizin eine natürliches Narkoserestrisiko. Hierbei fließen alle nicht oder schlecht zu kalkulierend Faktoren ein, durch die die Narkosefähigkeit ungünstig beeinflusst wird. Das Alter spielt eine Rolle, weil im hohen Lebensalter die Wahrscheinlichkeit von Organfunktionsstörungen wie zum Beispiel Herz- und Kreislauferkrankungen höher ist. Über bekannte Vorerkrankungen des Vogels sollte der behandelnde Tierarzt informiert werden. Auch die Länge des geplanten Eingriffes hat Einfluss auf das Narkoserisiko. Einen besonders großen Einfluss hat der Zustand, in dem der Patient vorgestellt wird. Ein schwerkranker Vogel besitzt ein höheres Narkoserisiko als ein gesünderes Tier. In der allgemeinen Untersuchung wird die Narkosefähigkeit im Vorfeld eingeschätzt. Es wird der Nutzen der Narkose gegen das Narkoserisiko abgewägt.

7. Beinflussbarkeit der Narkose

Wie schon ausgeführt, wird beim Vogel die Inhalationsnarkose am häufigsten durchgeführt, weil sie am besten beeinflussbar ist. Mit der Veränderung der Konzentration des Narkosegases wird die Narkosetiefe optimal angepasst.

Bei Verlangsamung der Atmung oder einem Atemstillstand wird der Patient sofort intubiert und beatmet. Der Vogel kann bei unzureichender oder aussetzender Atmung mit einem Beatmungsbeutel oder einem Beatmungsgerät ventiliert werden. Durch den Tubus wird der Atemweg abgedichtet und zusätzlich die Gefahr der Einatmung von Körperflüssigkeiten minimiert. Zusätzlich gibt es Medikamente durch die Atmung und Herztätigkeit angeregt wird. Alle Narkosebedingungen sind so zu gestalten, dass eine sofortige Reaktion auf Unregelmäßig-keiten möglich ist. Hierzu zählt zum Beispiel, dass alle Notfallmedikamente aufgezogen in Reichweite liegen.

8. Nach der Narkose

Beim Aufwachen aus der Narkose bekommt der Patient reinen Sauerstoff zugeführt. Der Vogel benötigt weiterhin exogene Wärmezufuhr. Zusätzlich kann ein Infrarotstrahler Verwendung finden. Die Aufwachphase ist kurz. Nach 1-30 Minuten hat der Patient alle Stellreflexe und kann sich auf einer Sitzstange halten. Die erreichte Transportfähigkeit wird vom behandelnden Tierarzt festgestellt. 1 bis 1,5 Stunden nach der Narkose sollte der Vogel keine Nahrung aufnehmen. Für kleine Vögel gilt diese Regel wegen des sehr hohen Energiebedarfes nicht.

9. Fazit

Lassen Sie sich im Vorfeld einer anstehenden Narkose von Ihrem Tierarzt die Notwendigkeit, Art der Narkose, Durchführung und Narkoserisiken für Ihren Vogel genau erklären.